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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissen­schaftliche Fakultät - Winckelmann-Institut

Projekte - Stephan G. Schmid

2017 

Max Ohnefalsch-Richters (1850-1917) archäologische Forschungen auf Zypern

Am Institut für Archäologie der HU, Lehrbereich Klassische Archäologie hat sich in den vergangenen zwei Jahren ein Forschungsprojekt zu den archäologischen Aktivitäten von Max Ohnefalsch-Richter (1850-1917) auf Zypern herausgebildet (Professur S. G. Schmid). Dieses findet in Kooperation mit den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz (Berlin), dem Musée d´archéologie nationale (Saint-Germain-en-Laye, Frankreich), dem Department of Antiquities (Nikosia, Zypern), dem Exzellenzcluster TOPOI und Studia Cyprologica Berolinensia e.V. statt.

Seit 2017 werden die entsprechenden Forschungen vom Shelby White & Leon Levy Program for Archaeological Publications (Harvard) gefördert (www.fas.harvard.edu/~semitic/wl/). Ziel des ersten Projektabschnittes 2017-2020 ist die Aufarbeitung und Publikation mehrerer Ausgrabungen in der Gegend des antiken Idalion im Zentrum Zyperns.
Informationen: Prof. Dr. Stephan G. Schmid (stephan.g.schmid@culture.hu-berlin.de)

 

2011 

„Le Projet archéologique du Rocher des Aures (PARA)“, Direktor. Der „Rocher des Aures“ ist ein in etwa dreieckiger Felsklotz, der sich am Westfuß des Bergmassives „Montagne de la Lance“, einem Ausläufer der französischen Voralpen, erhebt und im Südteil des Departementes Drôme (26) auf dem Gebiet der Gemeinde La-Roche-Saint-Secret-Béconne (26770) liegt. Die hervorgehobene Lage des „Rocher des Aures“ scheint spätestens ab der Bronzezeit als idealer Zufluchts- und weiterführend Siedlungsort gedient zu haben. Von der erhöhten Position des Plateaus aus eröffnet sich eine bemerkenswerte Fernsicht, die auch an dunstigen Tagen problemlos bis in das rund 29 km (direkte Luftlinie) entfernte Rhonetal reicht, an klaren Tagen vom Mont Ventoux (37,5 km im SO) bis zu den Cevennen (rund 120 km im W).
Obwohl seit dem Jahr 1920 mit einer Abhandlung von Alexander Chevalier (Le site d’Aeria) als präsumtives protohistorisches und gallo-römisches Oppidum identifiziert, stellt eine systematische Erforschung des „Rocher des Aures“ nach wie vor ein Desiderat dar. Seit 2011 arbeitet nun das „Projet archéologique du Rocher des Aures“ (PARA) mit der offiziellen Bewilligung der französischen Behörden (Direction régionale des affaires culturelles [DRAC] de Rhône-Alpes) und der betroffenen Grundstücksbesitzer daran, zunächst die sichtbaren Strukturen systematisch zu erfassen und zu dokumentieren, sowie die Oberflächenfunde zu analysieren.
Die Siedlung auf dem Plateau des „Rocher des Aures“ gehört zum Typ „épéron barré“, bei dem auf einer Seite eine künstliche Befestigung angelegt wird, während die anderen Seiten natürlich befestigt sind durch Felsabhänge (wie in unserem Fall), Flussläufe usw. Auf seiner einzigen natürlichen Zugangsseite wird das Plateau von einer massiven Befestigung in Trockenmauertechnik gesichert. Die von dieser „Hauptmauer“ befestigte Fläche umfasst 6.8 ha, die einst dicht bebaut gewesen sein mussten, wie die Oberflächenfunde nahelegen. Die ehemals dichte Bebauung des gesamten Plateaus hinter der großen W-Mauer wird durch zahlreiche, im heutigen Zustand eher unförmige Steinhaufen angezeigt, die mit Ziegelresten durchsetzt sind, also wohl als Reste von Wohnbebauung gelten können. In einzelnen Fällen, bevorzugt an besonders schwer zugänglichen Orten, haben sich deutlich rechteckige Strukturen mit teilweise über einen Meter hoch anstehenden Hangmauern erhalten. Der Einsatz von Mörtel sowie Funde von Terra Sigillata und große Mengen an tegulae-Fragmenten legen in diesen Fällen eine Datierung in gallo-römische Zeit nahe.
Eine intensive Erforschung, zunächst in Form von weiteren Prospektionskampagnen und anschließend mittels begrenzter Ausgrabungen (gezielte Sondagen an neuralgischen Punkten) erscheint äußerst vielversprechend. Neben der gezielten Erforschung der archäologischen Reste des „Rocher des Aures“ eröffnet das Projekt eine ganze Reihe von weiterführenden Möglichkeiten der lokalen, regionalen und supra-regionalen Einbindung. Die Gegend am W-Fuß der „Montagne de la Lance“ ist bis anhin weitgehend durch die Raster der archäologischen Forschung gefallen, liegt das Gebiet doch zu weit nördlich für die Spezialisten der mediterranen Keltenforschung, für die Spezialisten der kontinentalen Keltenforschung hingegen zu weit im Süden.
Weiterführende Informationen unter www.auac.ch/para

 

2011 –
„The North-Eastern Petra Project (NEPP)“, Jordanien, Co-Direktor zusammen mit Dr. Zbigniew Fiema (Helsinki) und Dr. Bernhard Kolb (Basel). Seit der Wiederentdeckung Petras für den Okzident durch den Basler Johann Ludwig Burckhardt (Scheich Ibrahim) im Jahr 1812 und seit der einsetzenden wissenschaftlichen Erforschung der Ruinen der ehemaligen Nabatäerhauptstadt rund ein Jahrhundert später wurde fast jeder Winkel der mittlerweile als UNESCO Weltkulturerbe firmierenden archäologischen Stätte erforscht. Merkwürdigerweise entging ein ganzes Stadtviertel (im übertragenden wie im realen Sinne) der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Dies ist umso bemerkenswerter, weil es sich um das versorgungstechnisch und geostrategisch am günstigsten gelegene Viertel des antiken Stadtzentrums handelt, gelegen im Nordosten von selbigem. Die von bloßem Auge sichtbaren Strukturen lassen auf mehrere, sehr große und ausgesprochen reich ausgestatte Gebäude schließen, deren Funktion, Zeitstellung und mögliche Zusammengehörigkeit in einem längerfristig angelegten Forschungsprojekt untersucht werden sollen. Die erste Feldkampagne wurde im Frühjahr 2011 als Oberflächensurvey durchgeführt und bereits die ersten Resultate zeigen, dass das Gelände einerseits eine dichte Abfolge von monumentalen Bauten auf mehreren Terrassen aufweist, andererseits aber größere Flächen ohne sichtbare Bebauungsreste. Die topographische und geostrategische Lage, die eindeutig auf weithin reichende Sichtbarkeit angelegten Monumentalbauten, eine privilegierte Wasserversorgung und anderes mehr lassen eine Benennung als Basileia der Nabatäerkönige im Sinne einer Arbeitshypothese realistisch erscheinen. Auf deutscher Seite finanziert von der DFG und dem Berliner Exzellenzcluster Topoi.
Weiterführende Informationen unter www.auac.ch/nepp

 

2010
“The International Umm al-Biyara Project, Petra (IUBP)”
, Co-Direktor, zusammen mit Prof. Dr. Piotr Bienkowski (Manchester). Umm al-Biyara (Mutter der Zisternen) ist sozusagen der Hausfelsen von Petra, der das gesamte Stadtgebiet dominiert. In den 1960er Jahren legte Crystal M. Bennett von der British School of Archaeology in Jerusalem auf dem Gipfelplateau Teile einer edomitischen (eisenzeitlichen) Siedlung frei. Bereits bei der Gelegenheit konnten zahlreiche nabatäische Strukturen beobachtet werden, deren Datierung, Ausdehnung und Funktion aber mangels Feldarbeit enigmatisch blieben. Im Frühjahr 2010 fand die erste Kampagne des International Umm al-Biyara Project (IUBP) statt in Form eines detaillierten Oberflächensurveys. Dabei zeigte sich, dass auf der Ostseite des Plateaus, klar in Richtung des Stadtzentrums von Petra ausgerichtet, ausgedehnte Anlagen des 1. Jhs. v. bis 1. Jh. n.Chr. standen. Diese Anlagen bestechen, trotz der abgelegenen und schwer erreichbaren Lage, durch einen ausgesprochenen Luxus in Form von beheizbaren Badeanlagen, reicher Marmor- und Alabasterausstattung und durch eine hervorragende geostrategische Lage, die die wichtigsten Wachposten um Petra herum in ein ausgeklügeltes Netz einbezieht. Es liegt auf der Hand, diese Strukturen den Gipfelpalästen Herodes’ d. Gr. gegenüberzustellen, man könnte geradezu versucht sein, Umm al-Biyara als die nabatäische Antwort auf Masada zu bezeichnen. Um ein genaues Bild vom Umfang und den Bauphasen dieser Strukturen zu erhalten, soll beginnend im Frühjahr 2011 eine Reihe von Ausgrabungskampagnen starten. Weiterführende Informationen unter www.auac.ch/iubp


1999 –   
“The International Wadi Farasa Project, Petra (IWFP)”, Direktor. Die untersuchten Strukturen im Wadi Farasa Ost in Petra, der antiken Hauptstadt der Nabatäer, sind teilweise in den Fels gehauen, teilweise freistehend gebaut und bilden einen multifunktionalen Komplex, der funeräre, kultische und repräsentative Elemente enthält und von einigen Forschern für eine königliche Grablege gehalten wird. Die in der Mitte des 1. Jhs. n.Chr. errichtete Anlage reflektiert die Kontakte dieses arabischen Volkes mit der griechischen und römischen Kultur und gibt eine ausgezeichnete Vorstellung von der Architektur hellenistischer und römischer Paläste, ja sie stellt sogar über weite Strecken eine recht exakte Kopie dar. Ein extensiver Survey im gesamten Gebiet der antiken Stadt und ihrer Nekropolen legt nahe, dass solche multifunktionalen Komplexe eine weitverbreitete Architekturform, zumindest in Petra waren. Dies wirft natürlich zahlreiche Fragen zu den Totenbräuchen der Nabatäer und zu der, offenbar – zumindest im Vergleich zu Griechen und Römern – nicht so strikten Trennung zwischen Bereichen der Lebenden und jenen der Toten.
Weiterführende Informationen unter www.auac.ch/iwfp


1996 –  
 “Eretria im Hellenismus und in der Kaiserzeit. Wandel und Anpassung”. Verantwortlich für Ausgrabung, Studium und Publikation. Die vom Unterzeichneten in den Jahren 1996-2000 geleiteten Ausgrabungen der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland in Eretria (Euböa) haben u.a. zahlreiche Strukturen hellenistischer und römischer Zeit zutage gefördert, darunter auch ein als Tempel für den Kaiserkult interpretiertes Gebäude. Diese Funde bilden den Ausgangspunkt für eine grösser angelegte Aufarbeitung der bisher vernachlässigten „Spätzeit“ Eretrias, die u.a. die Stellung kleinerer Städte im römischen Griechenland beleuchten soll und in wiefern eine tatsächliche Romanisierung stattgefunden hat.
Weiterführende Informationen unter www.unil.ch/esag