Bericht zur Kampagne 2014
Unsere Arbeiten konzentrierten sich hauptsächlich auf die drei Kastellstandorte Călugăreni/Mikháza, Sărăţeni/Sóvárad und Brâncoveneşti/Marosvécs sowie einige Wachtürme des Limesabschnitts.
Prospektion
An den Kastellstandorten führten wir Geländebegehungen durch, um die Ausdehnung der vici festzustellen und generell Fundmaterial zur Datierung der Plätze zu gewinnen.
Die Kette der Wachtposten, die den Kastellen vorgelagert waren, wurde weiter untersucht: Zwei neue Wachttürme, auf den Becheci-Bergen in Mărculeni und bei Monor in den Călimani-Bergen, ließen sich durch Begehungen im Gelände, nach Auswertung von Aufnahmen der Luftbildprospektionen, verifizieren. Das Gelände um die Wachtürme wurde durch jeweils ca. 1000 Meßpunkte vermessen, womit Grundlagen für Höhenmodelle gelegt wurden.
Durch Einsatz eines Metalldetektors gelang es, die Fundstelle eines seit den 1960er Jahren bekannten bronzezeitlichen Hortes bei Mărculeni, in den Becheci-Bergen zwischen Călugăreni und Sărăţeni, wieder zu lokalisieren. In einer anschließenden Sondage konnten ca. 40 weitere Teile des Bronze-Hortfundes, mit Fragmenten von Sicheln, Äxten, Messern und Bronze-Rohmaterial, sorgfältig geborgen werden. Die Fundlage wurde durch Serien von Digitalfotos dokumentiert, um anschließend 3D-Orthofotos und –Modelle erstellen zu können.
Die geophysikalischen Messungen wurden an den Kastellstandorten und mehreren Wachtürmen fortgesetzt. In Călugăreni kamen geo-elektrische Widerstandsmessungen zum Einsatz, um den Grundriß der Thermenanlage festzustellen und die Bebauung zwischen den Thermen und dem Kastell zu untersuchen. Geomagnetische Prospektionen wurden im vicus von Brâncoveneşti, im Lager von Sărăţeni und am Wachturm von Vătava durchgeführt.
Grabungen
Die im Vorjahr begonnenen Grabungen in Călugăreni wurden an allen drei Stellen ausgedehnt, im Kastell in den principia (Areal A) sowie im vicus bei den Thermen (Areal B) und auf einem Grundstück an einer Wegegabelung (Areal C).
In den principia wurde ein weiterer Grabungsschnitt von 15 x 7 m Größe geöffnet, womit nun ein Großteil des rückwärtigen Gebäudes mit aedes, zwei Nachbarräumen und einem vorgelagerten Korridor freigelegt sind. Durch Abtiefen des vorjährigen Schnittes sollten ältere Phasen festgestellt werden. Dabei stellte sich heraus, dass in unteren Schichten Überreste verkohlter, horizontal gelagerter Hölzer erfreulich gut erhalten sind, die entweder zu einer älteren Holzbauphase – Schwellbalken – vor Errichtung des Steinbaues gehören, oder mit der Bautechnik von Mauern der steinernen principia in Zusammenhang stehen.
Zahlreiche Kleinfunde, wie z.B. Teile von Schuppenpanzern oder eine Mercur-Bronzestatuette, konnten geborgen werden. Aus der Fundstreuung von Glasscheibenfragmenten lassen sich rückwärtige Fenster in den principia rekonstruieren.
In der Badeanlage, Areal B, wurde der letztjährige Schnitt auf 10 x 10 m erweitert; zum Vorschein kamen Mauerabschnitte (bzw. Raubgräben von Mauern), verstürzte Putzreste, Fußbodenpartien aus wasserfestem Mörtel und Reste von Hypokausten.
In Areal C soll ein Gebäudekomplex im Zentrum zwischen Kastell, Bad und Zivilsiedlung untersucht werden, das den Geomagnetikbildern zufolge unweit einer Wegegabelung der Hauptstraße und eines Nebenweges des vicus lag. In zwei Schnitten von 12 x 12 m traten ausgedehnte Stein- und Kiesel-strukturen ans Tageslicht, die wohl als befestigte Laufflächen (in einem Hof?) dienten. Randlich konnte ein Gebäude angeschnitten werden, von dem Unterlager für die aufgehenden Wände von einem Ständerbau zeugen; ein älteres Gebäude ließ sich anhand eines Lehmbodens feststellen. Um Grundrisse der Gebäude fassen zu können, müssen die Schnitte demnächst erweitert werden.
Bauaufnahme
In Călugăreni und Sărăţeni nahmen die Bauforscher weiterhin denkmalgeschützte Gebäude und traditionelle Holz-Wohnhäuser auf. Für eine Neu-Nutzung und touristische Aufwertung der Gebäude wurden ebenso Vorschläge erarbeitet, wie für eine Präsentation der archäologischen Fundstellen. Wie im Vorjahr werden diese bei einem Studentenwettbewerb an der Budapest University for Technology and Economics vorgestellt.
Vermessung/Laserscanning/3D-Digital-Fotografie
Bei der Vermessung archäologischer Befunde und historischer Gebäude kamen traditionelle wie innovative Verfahren (Laserscan, 3D-Digital-Fotografie) zum Einsatz.
Fundaufnahme und Restaurierung
Das Kulturhaus von Călugăreni/Mikháza beherbergte die Fundaufnahme, wo Scherben gewaschen und erfaßt wurden. Die wichtigste Keramik wurde gezeichnet und fotografiert. Hier fand auch die Restaurierung der wichtigsten Kleinfunde statt. Alle Funde wurden in der Projekt-Datenbank erfasst.
Festival 2R / 2R Fesztivál | ||||||||||||
Ein Römer- und Renaissance-Festival veranstaltete das Mureş County Museum am 23. August in Călugăreni, bei dem wir unsere Arbeiten der Öffentlichkeit vorstellten. |
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Die Kampagne 2014 wurde von Abendvorträgen und Wochenendexkursionen (nach Sighişoara, Tîrgu Mureş, Cluj-Napoca und zur Salzmine in Praid) begleitet.