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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissen­schaftliche Fakultät - Institut für Archäologie

Sprachen und Texte

 

Thematische Schwerpunkte des Lehrbereichs „Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas“

 

Die Professur „Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas“ trägt denselben Namen wie das Studienfach (ohne weitere Spezifizierung) und ist demzufolge für das Fachgebiet in seiner gesamten Breite zuständig. Vor dem Hintergrund der großen räumlichen und enormen zeitlichen Ausdehnung des Forschungsbereichs (Ägypten und der Nordsudan samt Nachbarregionen vom Neolithikum bis in die Christliche Periode) und angesichts der kaum überschaubaren Vielfalt an kulturellen Erscheinungen, von denen etliche ganz spezifische Methoden und Bearbeitsverfahren erfordern, versteht sich fast von selbst, dass ohne Schwerpunktsetzung auf der einen Seite und die Bereitschaft zu Transdisziplinarität auf der anderen Seite eine professionelle wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den materiellen und ideelen Hinterlassenschaften der nordostafrikanischen Kulturen nur schwer vorstellbar ist. Das Profil einer Einrichtung, deren Grundausstattung wie unser Lehrbereich aus zwei wissenschaftlichen Stellen besteht, hängt stark von den jeweiligen Forschungsinteressen der einzelnen Personen ab.

 

Der zentrale Lehr- und Forschungsgegenstand des Lehrbereichs „Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas“ lässt sich generell mit dem Stichwort „ägyptische Sprache“ charakterisieren. Dazu gehören die Elemente, Strukturen und Variationen des über einen Zeitraum von viereinhalbtausend Jahren überlieferten Ägyptischen, die Medien seiner Vermittlung und deren Weiterentwicklungen (ägyptische Hieroglyphen und westliche Alphabete, koptische Schrift) sowie ihre konkreten textlichen Hinterlassenschaften. Das Erlernen der hieroglyphisch-ägyptischen Schrift und Sprache in den ersten Semestern des Studiums erfordert zwar etwas Fleiß und Durchhaltevermögen, hat aber absolut nichts Mysteriöses an sich und ist – dank moderner Unterrichtsmittel (http://edoc.hu-berlin.de/oa/books/reNNkyCpqh2c/PDF/21vhwqXNyo6Qc.pdf) – viel weniger verzwickt als oft suggeriert wird. An der Humboldt-Universität besonders gepflegte Schwerpunkte der ägyptologischen Sprachforschung sind Schriftlinguistik, Klassifikatoren, Phonologie, Syntax, Raumausdrücke, Sprachwandel und Sprachkontakte.

 

Wer also etwa wissen möchte,

  • was die Hieroglyphenschrift mit Internet- und SMS-Kommunikation gemeinsam hat,
  • auf welche Weise man vom Gebrauch bestimmter Schriftzeichen Rückschlüsse auf Kategorisierungsverfahren in einer längst untergegangenen Sprachgemeinschaft ziehen kann,
  • wie das Ägyptische vor mehr als vier Jahrtausenden geklungen hat,
  • mit welchen Strategien man zu guten Übersetzungen antiker Sprachdenkmäler gelangt,
  • warum man auch im Ägyptischen so etwas wie 'Bin jetzt Hafen,' sagen konnte,
  • wie sich soziale und kulturelle Veränderungen in der Sprache niederschlugen,
  • was zum Gebrauch vieler Fremdwörter motivieren mag,

ist genau richtig bei uns.

 

Sprache steht zwar im Mittelpunkt unserer wissenschaftlichen Beschäftigung mit der antiken Niltalkultur, ist jedoch beileibe nicht das einzige Interessengebiet. Das zeigt sich etwa an Forschungen zu prädynastischen Topfmarken, die Einblicke in die Formierung des ägyptischen Staats zu Beginn des dritten vorchristlichen Jahrtausends versprechen, an Arbeiten zur Rolle ägyptischer Kunst als Inspirationsquelle für Ernst Ludwig Kirchner und andere Künstler der Klassischen Moderne oder an Untersuchungen zu den ägyptologischen Studien von Charles Sanders Peirce, dem Begründer der modernen Semiotik. Es sind nicht zuletzt solche Aktivitäten, die die enge thematische Verknüpfung mit den Lehrbereichen „Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas: Materielle Kultur“ und „Theorie und Geschichte Multimodaler Kommunikation“ unterstreichen.

 

Einige repräsentative Veröffentlichungen

  • Engel, Eva-Maria. 2016. The Early Dynastic Pot Mark Project, in: Non-Textual Marking Systems in Ancient Egypt (and Elsewhere), hrsg. von Julia Budka, Frank Kammerzell & Sławomir Rzepka, Lingua Aegyptia – Studia monographica 16, Hambur: Widmaier, 215-228.
  • Kammerzell, Frank. 2005. Old Egyptian and Pre-Old Egyptian: Tracing linguistic diversity in Archaic Egypt and the creation of the Egyptian language, in: Texte und Denkmäler des ägyptischen Alten Reiches, hrsg. von Stephan Johannes Seidlmayer, Thesaurus Linguae Aegyptiae 3, Berlin: Achet, 165-247.
  • Kammerzell, Frank. 2009. Defining non-textual marking systems, writing, and other systems of graphic information processing, in: Non-Textual Marking Systems, Writing and Pseudo Script from Prehistory to Present Times, hrsg. von Petra Andrássy, Julia Budka & Frank Kammerzell, Lingua Aegyptia – Studia monographica 8, Göttingen: Seminar für Ägyptologie und Koptologie, 277-308.
  • Kammerzell, Frank, Aleksandra Lapčić & Winfried Nöth. 2016. Charles S. Peirce’s Egyptological studies, in: Transactions of the Charles S. Peirce Society – A Quarterly Journal in American Philosophy 52, 483-538.
  • Kammerzell, Frank & Hanna Strzoda. 2007. Kirchners Plakatentwurf zur Ausstellung »Deutsche Graphik« im Kunstsalon Wolfsberg Zürich, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2007, 195-214.
  • Lincke, Eliese-Sophia. 2011. Die Prinzipien der Klassifizierung im Altägyptischen, Göttinger Orientforschungen, Reihe IV: Ägypten 38/6 (= Classification and Categorization in Ancient Egypt 6), Wiesbaden: Harrassowitz.
  • Lincke, Eliese-Sophia & Silvia Kutscher. 2012. Motivated sign formation in Hieroglyphic Egyptian and German Sign Language, in: Lexical Semantics in Ancient Egyptian, hrsg. von Eitan Grossman, Stéphane Polis & Jean Winand, Lingua Aegyptia – Studia Monographica 9, Göttingen, 113-140.