Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissen­schaftliche Fakultät - Winckelmann-Institut

Abschlussveranstaltung des Q-Kollegs 2013/14 vom 1.-8.9.2014

Hier findet ihr Bilder und einen kurzen Bericht des Besuchs der Nottinghamer in Berlin, unserer Unternehmungen und Workshops....

 

Anfang September beschloss der Besuch der Nottinghamer Fellows in Berlin die diesjährige Kollaboration zwischen Studierenden des Winckelmann-Instituts und des Department of Classics in Nottingham. Nach dem Anreisetag eröffnete ein gemeinsamer Stadtrundgang durch Berlin das Programm, bei dem die HU-Studierenden ihren Gästen allgemein gerühmte und persönlich wertgeschätzte Sehenswürdigkeiten der Stadt näherbrachten (2.9.).

 

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Abb. Henriette Engel

Start unserer Sightseeing-Tour - Weltzeituhr am Alexanderplatz

 

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Abb. Henriette Engel

Zeit für eine Rast am Ende unserer Tour - auf den Stufen des Französischen Doms am Gendarmenmarkt

 

Am folgenden Mittwoch (3.9.) begann dann, erholt von der Reise und gestärkt im internationalen Miteinander, die akademische Zusammenarbeit mit einer morgendlichen Diskussionsrunde zweier im Vorfeld des Besuchs ausgewählter Forschungstexte. Sie bildeten gewissermaßen das Handwerkszeug der Annäherung und Interpretation von antiken Bildwerken während des Besuchs.[1]

 


[1] R.R.R. Smith, The Use of Images: Visual History and Ancient History, in: T.P. Wiseman (Hrsg.), Classics in Progress. Essays on Ancient Greece and Rome (New York 2002) 59-102; H. Belting, Image. Medium, Body: A New Approach to Iconology, Critical Inquiry 31,2, 2005, 302-319.

 

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Abb. Christoph Klose

Workshop:

Annäherung an das ikonologische Modell Beltings. Mehrheitlich wurde vorgeschlagen, das System ließe sich mittels einer Kreisspirale der Begriffe ‚Image‘ – ‚Medium‘ – ‚Body‘ am treffendsten graphisch beschreiben.

 

Im Anschluss an den intensiven gedanklichen Austausch experimentierten die Fellows in internationaler Gruppenarbeit vor den Friesen des Pergamonaltars mit der Anwendbarkeit der theoretischen Modelle – und nutzten somit die quasi letzte Chance, die einzigartigen Reliefs des Pergamonaltars vor dem Ende September unmittelbar bevorstehenden, langjährigen Umbau des Museums noch einmal im Original zu studieren.

 

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Abb. Henriette Engel Abb. Henriette Engel

Workshop: Im Pergamonmuseum

 

Tags darauf (4.9.) wurde vormittags mit der Anwendbarkeit der theoretischen Modelle in den Sammlungen des Alten Museums gespielt. Auch wurde die Übertragbarkeit auf etruskische Bildzeugnisse erprobt, die zwar häufig die gleichen mythologischen Themen wie griechische (und später römische) Bildwerke aufgreifen, diese aber ikonographisch oft mit bemerkenswert anderer Akzentuierung umsetzen. Dabei war die fachliche Expertise von Jan Reimann (Doktorand im Exzellenzcluster Topoi) sehr gefragt, der durch seinen Gastbeitrag wertvolle Impulse zu geben vermochte. Nachmittags wurden die durch die Fellows bereits im Vorfeld als besonders interessant identifizierten Abschnitte der beiden Forschungstexte zur Grabrepräsentation, in einer Expertenrunde mit William Leveritt (Doktorand University of Nottingham) zu mythologischen Sarkophagdarstellungen der römischen Kaiserzeit erweitert.[1]

Drei Gruppen wählten hierbei einen von fünf möglichen thematischen Schwerpunkten aus und entwickelten entlang skizzierter Leitgedanken, eigene Fragestellungen zu konkreten Monumenten. Diese wurden in einer abschließenden Kurzvortagsrunde vorgestellt und diskutiert.

 


[1] Grundlage bildete hier die im Vorfeld erfolgte Lektüre des klassischen Textes von A.D. Nock, Sarcophagi and Symbolism, American Journal of Archaeology 50, 1946, 140-170.

 

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Harte, internationale Gruppenarbeit im alten Seminarraum des Winckelmann-Instituts

Fotos: Christoph Klose

 

Am Freitag (5.9.) besichtigten die Fellows die umfangreiche Sammlung von Abgüssen klassischer Bildwerke im Museum Charlottenburg. Hierbei wurden die besonderen Vorzüge einer solchen Sammlung in Bezug auf Verfüg- und Vergleichbarkeit antiker Bildzeugnisse (v.a. Statuen, Porträts, Reliefs etc.) unmittelbar erfahrbar, evident und vielfach genutzt. Dankenswerterweise konnte der Seminarraum der Abguss-Sammlung Antiker Plastik Berlin zur Vorbereitung der abschließenden Gruppenpräsentationen genutzt werden, die für den folgenden Samstag (6.9.) angesetzt waren.

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Workshop: In der Abgusssammlung Berlin-Charlottenburg

Foto: Henriette Engel

 

Die Aufgabe der Fellows bestand darin, ihre Gruppenerfahrungen in der Anwendung der diskutieren theoretischen Modelle zur Bildinterpretation abschließend anhand unmittelbar in den Berliner Museen studierter Bildzeugnisse exemplarisch zu erörtern. Dazu hatten die Fellows seit Beginn ihrer Gruppenarbeit vor Ort die Aufgabe erteilt begonnen, entsprechend aussichtsreiche Exponate zu identifizieren, dokumentieren (photographisch und verbal) und zu thematischen Blöcken zu gruppieren, um diese anhand der in den Forschungstexten diskutierten Analysemethoden einer wissenschaftlichen Überprüfung zu unterziehen. Die Fellows präsentierten ihre Ergebnisse in drei Gruppen am Samstagnachmittag (der Vormittag diente der weiteren Vorbereitung der Vorträge in Gruppenarbeit, wozu sowohl die Zweigbibliothek für Klassische Archäologie des Winckelmann-Instituts als auch das nahegelegene Grimm-Zentrum genutzt wurden). Die Studierenden hatten sich folgende Themen gewählt, die im Anschluss an die Vorträge eine angeregte Diskussion stimulierten: Der Einfluss von Farbgebung auf die Wahrnehmung und Bewertung antiker Skulptur, der Vergleich von etruskischen und römischen Darstellungen von Amazonomachien sowie Fragen bezüglich der Wahrnehmung expressiver Gewaltdarstellungen am Beispiel von Gewaltdarstellungen gegenüber Frauen.

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Abschlusspräsentationen der Ergebnisse aus den Workshops

Fotos: Christoph Klose

 

Als Ausklang und Belohnung für die gute Zusammenarbeit gönnten sich die Fellows am Sonntag (7.9.) einen Ausflug in den Schlosspark Sanssouci in Potsdam. Bei schönstem Wetter genossen sie Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Sanssouci, das Neue Palais, die Orangerie, den Belvedere, den Tempel der Freundschaft, die Römischen Bäder und die Friedenskirche. Dabei wurden Vergleiche zur Anlage englischer Herrenhäuser ebenso gezogen wie die Bezüge zu klassischer Architektur thematisiert. Selbst das ein oder andere Original wurde gesichtet… Ein gemeinsames Abendessen rundete den Tag und diente der Verabschiedung der Gäste aus Nottingham, die am Montag die Rückkehr nach England antraten.

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Ein Besuch in Potsdam - vor den Terrassen von Schloss Sanssouci

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Auf den Stufen des Freundschaftstempels im Park Sanssouci

 

Fotos: Henriette Engel