Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissen­schaftliche Fakultät - Winckelmann-Institut

Abstract Arne Reinhardt

 

Serielle Bildproduktion in römischer Zeit: Zum Einfluss von Arbeitspraktiken auf die Generierung von Bildbedeutungen (Arbeitstitel)

 

Im Zentrum des Dissertationsprojektes, das von Fr. Prof. Dr. Susanne Muth betreut wird, steht das Phänomen der seriellen Bildproduktion von Reliefs in der römischen Kaiserzeit – also der Umstand, dass römische Handwerker/Künstler zur Vollfüllung ihrer Aufträge massiv auf Bildvorlagen zurückgriffen.

Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich grundlegend mit Fragen nach dem Seriellen: Denn obwohl über die Existenz von Serien(-produktion) in der Antike Konsens besteht, werden beide Begriffe gerade im Bereich der Plastik nur selten konkret auf eine Materialbasis bezogen; als Konsequenz hieraus gilt es sowohl eine Definition von 'Serie' zu erarbeiten, aber auch erhaltene Serien sichtbar zu machen sowie ihre Existenz und spezifische Ausprägung zu erklären. Die Grundlage hierfür bilden Serien innerhalb der reliefverzierten Marmorobjekte des römischen Ausstattungsluxus  (1. Jh. v. – 2. Jh. n. Chr.). Von zentraler Bedeutung für die Fragestellung der Arbeit ist die Untersuchung ihrer Varianz – also der handwerklich-technischen bzw. gestalterischen (motivischen, kompositorischen) Abweichungen, die innerhalb einer Serie auftreten. Diese Varianz führt nicht nur zu einer besseren Charakterisierung von Serien und ihren Anlässen, sie bietet gleichzeitig eine solide Grundlage für die Untersuchung des Umgangs mit Bildvorlagen, da hier per definitionem eine einheitliche Entstehung der Objekte zugrunde liegt.

Im zweiten Teil der Arbeit wird das Phänomen der seriellen Bildproduktion unter einem anderen Aspekt beleuchtet – hier liegen solche Fälle zugrunde, bei denen die 'gleichen Bilder' auf unterschiedlichen Reliefträgern, in unterschiedlichen Kontexten und Zeiten auftreten. Was sind die handwerklichen Grundlagen hierfür, was die dahinter stehenden Interessen? Inwiefern wurden Vorlagen modifiziert, um einem bestimmten Bild-Kontext inhaltlich Rechnung zu tragen? Inwieweit spielt hier ‚Originaltreue‘ eine Rolle? Diese und andere Fragen beziehen das Phänomen der seriellen Bildproduktion auf Fragen der Interpretation antiker Darstellungen und möchten einen Beitrag zur Diskussion um die Methoden einer historischen Bildinterpretation leisten.