Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissen­schaftliche Fakultät - Winckelmann-Institut

Ziele

Der Modell des kaiserzeitlichen Dioskurentempels, mit dem heutigen Erhaltungszustand des Tempels überlagert.

Ziel ist es, das Forum Romanum in seinem diachronen Wandel zu präsentieren. Dafür haben wir 19 verschiedene Zeitphasen des Forums festgelegt, die eine Zeitspanne vom 7. Jh. v.Chr. bis zum 7. Jh. n.Chr. umfassen. Zunächst war es notwendig festzustellen, welche Bauten zu welchen Zeitpunkt auf dem Forum standen. Zudem müssen die einzelnen Bauphasen der jeweiligen Bauten berücksichtigt werden.

Unser Modell soll das Forum Romanum auf dem aktuellen Forschungsstand zeigen. Denn um für wissenschaftliche Untersuchungen nützlich zu sein, muss es auf ein nachvollziehbares, wissenschaftliches Fundament stehen. Hierzu zählt das Offenlegen der Gründe, warum dieser oder jener Bau so rekonstruiert wird. Zu jedem der Modelle wird eine umfangreiche Dokumentation der einzelnen Bauten und ihrer Rekonstruktion erstellt (siehe Vom Steckbrief zum Modell). Unterschiedlich sichere Wissenstände werden im 3d-Modell gekennzeichnet, um einer wissenschaftlichen Überprüfbarkeit Rechnung zu tragen.


Wissenschaftliches Instrument

Oft sind zu wenige Informationen vorhanden, um eine unzweifelhafte Rekonstruktion zu erstellen. Aber anders als bei herkömmlichen Rekonstruktionszeichnungen, die oft aufwendig sind, um mehrere Rekonstruktionen eines einzigen Baus herzustellen. Hierbei zeigt sich eine der Stärken einer 3d-Rekonstruktion, denn es ist möglich,  mit Hilfe der virtuellen Modellierung mit vergleichbar weniger Aufwand einzelne Details und verschiedene Rekonstruktionsmöglichkeiten ausprobieren, ohne sich unbedingt für eine entscheiden zu müssen: Die Vielzahl an möglichen Interpretationen angesichts des lückenhaften Wissens um das Forum Romanum wird deutlicher präsentierbar. Zudem können in dieser Art und Weise hypothetische Rekonstruktionen bestätigt oder gar widerlegt werden.

Von der Fornix Fabianus ist vom Aufbau kaum etwas überliefert: In Anlehnung an antike Vergleichsbeispiele lassen sich mehrere Varianten rekonstruieren, die ihrerseits dahingehend geprüft werden können, inwieweit sie ihrer Funktion als Triumphbogen gerecht werden. Ein Fußgänger schreitet noch problemlos durch den Bogen, kommt aber eine Quadriga hindurch?


Sicht auf die Rostra: Einen Redner zu sehen ist nicht einfach, aber konnte man den Redner zumindest hören?

Aus Sicht antiker Betrachter

Um eine antike Raumerfahrung nachvollziehen zu können, bedarf es der Perspektive eines antiken Forumbesuchers. Auf dieser Grundlage können verschiedene Simulationen durchgeführt werden, die diese Erfahrung wiederherstellbar und quantifizierbar machen. Bewegungssimulationen verdeutlichen die Bewegungsflüsse über das Forum und machen klar, inwiefern die Hinzufügung eines neuen Baus oder eines neuen Monuments konkret die Erfahrung eines antiken Menschen verändert haben. Mit Hilfe von Geräuschsimulationen kann die politische Kulisse des Forums weiter verständlich gemacht werden: Auf dem Forum wurden Reden gehalten, aber wer konnte sie hören? Wie hat die Raumstrukturierung das Klangbild beeinträchtigt? Weiter sind Klimaanalysen möglich.

-ErG