Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissen­schaftliche Fakultät - Winckelmann-Institut

Forschungsexkursion, 20.-27. September 2012

DigiFoRo auf dem Forum Romanum

 

Nachdem in den letzten zwei Semester bereits eifrig an digitalen 3D-Modellen zu den Gebäuden auf dem Forum Romanum gearbeitet wurde und in Steckbriefen die verfügbaren wissenschaftlichen Informationen zusammengetragen worden waren, konnten wir jetzt eine Woche lang auf dem Forum die bis dahin aufgekommenen Fragen vor den Befunden selbst vor Ort eingehend diskutieren. Insbesondere war die direkte Betrachtung der Monumente wertvoll, das „Erleben“ des Raums, da dieses auch durch unsere Rekonstruktion unmittelbar vermittelt werden soll.

Am Donnerstag, 20. September 2012, flogen elf Studierende sowie Prof. Dr. Susanne Muth, Antonia Weisse, Dipl.-Ing. Armin Müller und Ulfert Oldewurtel M.A: in die ›ewige Stadt‹ Rom. Nach dem Zimmerbezug in unserem kleinen Hostel nahe der Kirche Santa Maria Maggiore begaben wir uns zu einer ersten Übersicht auf das nahe gelegene Forum. Für manche war es der erste Aufenthalt in Rom. Der Blick über das Forum führte somit erstmals und ganz unmittelbar vor Augen, wie sehr sich dieses Erleben von Raum gänzlich zum bisherigen Lesen von Plänen unterscheidet. Dieser Eindruck sollte sich auch in der kommenden Woche verstärken, als wir die frühen Morgenstunden nutzten, um möglichst ohne weitere Besucher Film- oder Fotoaufnahmen vor menschenleerer Kulisse und Atmosphäre einzufangen. Mit dem über 300 Seiten dicken Reader, für den sämtliche Steinpläne und bisherige Rekonstruktionszeichnungen zu den zu diskutierenden Gebäudestrukturen zusammengetragen worden waren, gingen wir daran, Detailfragen verschiedener Steinlagen und -formationen zu erörtern und im Dialog mit unseren Dozenten mit den eigenen bisherigen Rekonstruktionsideen zu vergleichen. Ein Besuch in den Kapitolinischen Museen, von wo aus es möglich ist, aus dem antiken Tabularium heraus einen Blick auf das Forum zu werfen, hat ebenfalls zur Klärung einiger Fragen beigetragen.

Ein besonderer Höhepunkt war für uns die Möglichkeit, einzelne Gebäude ganz genau unter die Lupe zu nehmen, da wir dank der Unterstützung des Zweiten Direktors des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Rom, Herrn Prof. Dr. Klaus Stefan Freyberger eine Erlaubnis bei der Soprintendenza erhalten konnten und somit zu Bereiche Zugang bekamen, die die ‚normalen’ Forumsbesuchern nur von Weitem betrachten können. Dies bot uns zum Beispiel die wunderbare Möglichkeit, die umzäunte ›eigentliche‹ Forumsfläche genauer zu betrachten. Dabei konnten wir etwa einen Blick auf die antike Rednertribüne, die Rostra, ganz unmittelbar von der antiken Betrachterperspektive aus werfen, nämlich direkt vor ihr stehend und den Blick zum imaginären Redner oben auf der Tribüne lenkend. Eine solche Chance zum nahsichtigen und detaillierten Betrachten, was der Blick aus der Ferne nicht zu erschliessen erlaubt, ist für die Frage der Rekonstruktion dieser Rostra von großer Bedeutung. Aber auch anderenorts konnten wir mit der Gruppe gemeinsam auf Spurensuche antiker Bauten und Monumente gehen. Entdeckungen wurden von unserer Photographin Antonia Weisse sogleich festgehalten, sodass wir sie später am Schreibtisch nochmals für die Nachbereitungen heranziehen können.

Einen zweiten Höhepunkt unserer Forschungsexkursion bildete schliesslich die Führung von Prof. Dr. Klaus Stefan Freyberger in der Basilica Aemilia und den angrenzenden Bauten. Mit seinem fundierten Wissen zu den aktuellen Forschungen wurde uns ein Einblick in die bislang (noch) nicht publizierten Ergebnisse gewährt, die wir mit großem Interesse aufnahmen. Die Forschungsergebnisse und Interpretationsansätze Freybergers haben zu regen und stimulierenden Diskussionen geführt, für die wir sehr dankbar sind. Die Verknüpfung von Freybergers Forschungsergebnissen mit unseren eigenen entworfenen Ideen bereicherten unsere Diskussionen sehr: zwar sind noch nicht alle Fragen mit absoluter Sicherheit geklärt, aber manches erscheint jetzt weniger verzweiflungsvoll als vor der unserer Exkursion.

Für die Rekonstruktionen der verschiedenen Bauten war die Exkursion von zentraler Bedeutung: Nicht nur die Möglichkeit, alte Aufnahmen der Befunde und Steinpläne vor Ort zu überprüfen und ausstehende Fragen zu klären, unterstreicht den Wert dieser Exkursion, sondern auch gerade die neuen Fragestellungen, die aus der Betrachtung aus direkter Nähe sich entwickelt haben, sind für weitere Rekonstruktionen eine große Bereicherung. In der nun nächst anstehenden Zeit werden wir die neu gewonnenen Erkenntnisse mit den gemachten Bild- und Filmaufnahmen in die 3D-Rekonstruktionen einfließen lassen. Diese Arbeit erwartet die Projektgruppe nun nach der Rückkehr in Berlin – eine spannende Aufgabe, die nach den Eindrücken und Ergebnissen vor Ort mit neuer Energie in Angriff genommen werden können.

-ErG, LCB

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