Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissen­schaftliche Fakultät - Winckelmann-Institut

Technische Umsetzung

Die Erstellung der Gebäude-Modelle für das DigiFoRo-Projekt basiert zum großen Teil auf studentischen Arbeiten, die von Studierenden der Humboldt-Universität zu Berlin im Seminar ‚Virtuelle Rekonstruktion und Visualisierung des Forum Romanum‘ im Wintersemester 2011/12 und im Sommersemester 2012 entstanden sind. Die Studierenden haben hierfür in einem Blockseminar die Grundlagen des 3d-Modellierens mit dem Programm AutoCad Architecture© der Firma Autodesk® vermittelt bekommen und dann selbständig in Teams verschiedene Rekonstruktions- Aufgaben bewältigt.

Auf der  Grundlage zusammengetragener Informationen konnten teils detailreiche Modelle rekonstruiert werden, teils konnten die Modelle auch nur schematisch erfasst werden und wieder andere sind nur archetypisch fassbar und wurden durch ‚Platzhalter‘ definiert. 

Die Arbeitsweise mit AutoCad Architecture©  (ACA) ermöglicht eine hinreichend detailreiche Modellierung komplexer Bauglieder, wie korinthische Kapitelle und aufwändige Profile. Die vorgegebene Arbeitsweise umfasste primär das Arbeiten mit Volumenkörpern, weil ACA dabei das nachträgliche Konvertieren in intelligente AEC-Objekte zulässt, die eine Erfassung der Objekt-Eigenschaften (wie Material-Dichte, Härte usw.) und -Klassifizierung (Stütze, Wand, Decke, Tür, Fenster usw.) ermöglichen. Das ist hilfreich, um statische Berechnungen oder Massenermittlungen durchzuführen.

Das DWG-Dateiformat von AutoCad© bildet im Bereich der CaaD (Computer aided architectural Design)- Formate einen Referenz-Standard, dadurch ist eine relativ problemlose Konvertierung der Modellgeometrie in andere Formate (3ds, ma, skp usw.) gewährleistet.

Die Erfassung der Gebäudekubatur und die dreidimensionale Umsetzung erfolgt in der Regel auf  Basis publizierter Grundrisse, Schnitte und Detailskizzen. Diese Rasterdateien müssen in Adobe® Photoshop© aufgearbeitet, konvertiert, skaliert und entzerrt werden, um dann in ACA sinnvoll als Rekonstruktionsgrundlage eingesetzt werden zu können. Umlaufende Profile, wie sie sich üblicherweise um Tempelpodien ziehen, werden dabei auf die geometrische Profilkurve vereinfacht, und als ‚Pfadextrusion‘ oder als ‚Sweep‘ um den Gebäudegrundriss extrudiert.


Um die Datenmengen klein zu halten, werden einerseits mit Ausnahme der markanten Konsolen in den Konsolgeisa, eventuell Triglyphen und Zähne in den Zahnfriesen, alle Schmuckelemente der Profile zunächst weggelassen und erst zu einem späteren Zeitpunkt als Texturen ergänzt; andererseits werden komplexe kanonische Bauglieder, wie korinthische Kapitelle und Pilaster, standardisiert. Hierbei gibt es in der Regel für jede Ordnung nur ein Kapitell (dorisch, ionisch, korinthisch, komposit), zwei Säulenschäfte (kanneliert oder glatt) und zwei Basen (attisch oder kleinasiatisch), die als dateiinterne Blöcke oder externe Referenzen vorliegen. Für den  ikonographischen Wiedererkennungswert bestimmter Gebäudetypen, beispielsweise Podiumtempel, können einige Elemente vereinfacht werden, ohne den Gesamteindruck nachhaltig zu beeinflussen. Andere Elemente wie Friese, Säulen mit ihren spezifischen Säulenordnungen, Kapitelle, Basen usw. sind unverzichtbar. Der Verzicht auf die Darstellung einer Entasis ist in der Regel unvorteilhaft, daher werden Säulenschäfte mit dem Befehl ‚Anhebung‘ mit einer Entasis versehen.

Die Render-Engine von AutoCad® hat sich für die komplexen 3d-Modelle als zu unzuverlässig erwiesen, deshalb wird auf das Programm Accurender nxt© von McNeel® ausgewichen, um zugleich eine Konvertierung der Daten zu vermeiden. Dieses Programm ist vorteilhaft, weil es ermöglicht, applikationsintern zu arbeiten und aufwändige Konvertierungen zu vermeiden. Zudem verfügt Accurender nxt© über eine  Engine zur Generierung von Pflanzen, Bäumen und Bodenvegetation. Mit Accurender nxt© können fotorealistische Bilder erzeugt werden, die abschließend mit Photoshop© zu Bildkompositionen weitergestaltet werden.


Die Software 3ds Max© mit Mental Ray© wird genutzt, um Filmsequenzen zu erstellen.

Für die mittelfristig angestrebte Version eines Echtzeitmodelles wird noch über eine Lösung als x3d- oder Unity-Umgebung nachgedacht. In jedem Fall wird hier eine geometrische Vereinfachung, bei gleichzeitiger Texturüberarbeitung und evtl. Level-of-detail Modi erforderlich.

Der umfassende Einsatz des Gesamtmodells für verschiedene Simulations-Szenarien, wie Auralisation oder Mobilität macht zukünftig weitere Konvertierungen und vereinfachte Varianten notwendig.

-ArM