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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissen­schaftliche Fakultät - Winckelmann-Institut

Polytimi Agoridou

 

 

Projekt: Anlage und Ausstattung einer Badeanlage auf dem Berg Umm al-Biyara Petra, Jordanien. Kulturelle Aneignungsprozesse im Vorderen Orient. (Arbeitstitel)

 

Seit mehreren Jahrzehnten beschäftigt sich die archäologische Forschung mit der Fragestellung, ob die Nabatäer ein in Zelten lebendes Nomadenvolk blieben und nur temporär in Petra, der Hauptstadt Nabatäas, siedelten, oder sesshaft wurden und dementsprechend in gebauten Wohnhäusern lebten. Bis in die 1970er Jahre galt Petra mit seinen über 600 Grabkammern als reine Toten- und Götterstadt.

Erst in den letzten vier Jahrzenten wurden wenige private freistehende Wohnbauten auf den Hügeln ez-Zantur, el-Khubtha und el-Khatute in Petra freigelegt, deren Entstehungszeit zwischen dem 1. Jh. v. und dem 1. Jh. n. Chr. liegt. Generell ist im späteren 1. Jh. v. Chr. eine signifikant erhöhte Bautätigkeit in Petra zu dokumentieren, die auch den Bau von Tempeln und repräsentativen Gebäuden umfasst. Trotz dieser Bauexpansion ist bisher nur wenig über den privaten Wohnraum der Nabatäer bekannt.

Einer der neusten Funde nabatäischer Wohnbauten wurde 2010–2013 in Petra, Jordanien, auf dem Berg Umm al- Biyara freigelegt. Hierbei handelt es sich um verschiedene Strukturen aus dem 1.–4. Jh. n. Chr., die Teil eines luxuriösen architektonischen Komplexes mit einem beheizten Badebereich sind. Zu den Funden innerhalb dieser Strukturen gehören unter anderem Fragmente bemalter griechisch-römischer Marmorskulpturen und –statuetten, sowie eine nabatäische Reliefbüste und bemalter Zierstuck.

 

Das Dissertationsvorhaben untersucht die freigelegte Badeanlage und die zugehörigen Funde mit dem Ziel, durch eine vergleichende Studie von analogen Komplexen und Dekorationselementen aus dem Zeithorizont des 1. Jh. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr., Hinweise auf architektonische Vorbilder, eine genauere Datierung der Funde, den Aufstellungskontext der Skulpturen und ggf. die Auftraggeberschaft der Residenz auf Umm al-Biyara zu erhalten. Hiermit soll ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte Petras geleistet werden. Die Dissertation entsteht im Rahmen einer Promotionsstelle, welche in ein interdisziplinäres DFG-Projekt in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin und der Technischen Hochschule Köln, mit dem Titel: "Charakterisierung und Konservierung von Malereien an Wänden und Skulpturen vom nabatäischen Petra", eingebettet ist.