Im Bereich des östlichen Quellheiligtums wurden im Jahr 2025 zwei Schnitte angelegt (SSE 01 & 02), welche Details zur Ausdehnung, Datierung und Stratigraphie des sogenannten Ost-Temenos klären sollten. Der sogenannte Ost-Temenos ist ein Gebäude im östlichen Bereich des Heiligtums, welches aus Feldsteinmauern im Norden, Osten und Westen besteht und durch Grabungen in den 70er und 80er Jahren bisher in die späte Archaik datiert wurde (530 v. Chr. post quem).
Vollständiges Profil von SSE01
In SSE 01 konnte zwar nicht wie erwartet die Fortsetzung der ost Mauer des sogenannten Ost-Temenos gefunden werden, jedoch wurde stattdessen erstmals in diesem Areal ein vollständiges Profil der geologischen Schichten bis zum gewachsenen Fels freigelegt. Dieses vollständige Bild der geologischen Schichten im Bereich südlich des Ost-Temenos hilft nicht nur, die geologische Situation im Heiligtum besser zu verstehen, sondern zeigt auch erstmals eine natürliche Begrenzung des Heiligtums in diesem Bereich Richtung Süden auf.
SSE02 beim erreichen der ersten Schichten des Votivdepots
SSE 02 wurde in der nordöstlichen Ecke des Ost-Temenos angelegt, um die Stratigrafie und mögliche frühere Phasen des Bereichs zu erfassen. Die Arbeiten gestalteten sich als besonders schwierig, da sich die archäologischen Schichten größtenteils unterhalb der Wasserlinie der noch aktiven Quelle befanden. Dennoch ermöglichte der Fund einer Vorgängermauer, eines Votivdepots mit mehreren gut erhaltenen Gefäßen sowie einer qualitätsvollen Terrakotta-Statuette einer Göttin bedeutende Erkenntnisse zur Nutzung der Anlage in archaischer Zeit. Zugleich werfen die Funde neue Fragen auf, die in kommenden Kampagnen geklärt werden sollen.
Terrakotta-Statuette einer Göttin aus dem Votivdepot in SSE 02
Areal Collina South (CS)
Lage des Schnitts auf der südlichen Collina.
Das Hauptziel der CS-Grabenuntersuchung bestand darin, die Überreste einer archaischen Stadtmauer zu identifizieren und, wenn möglich, zu datieren. Ein Teil dieser Mauer war bereits 1978 von Dinu Adamesteanu freigelegt worden, jedoch nie vollständig veröffentlicht worden. Der Graben der Kampagne von 2025 befand sich einige Meter (ca. 7 m) südlich von Adamesteanus Ausgrabungsgebiet.
Profil durch die archaische Lehmziegelmauer
Während der Ausgrabungen im Jahr 2025 wurde eine horizontale Schicht aus Flusssteinen entdeckt. Über dieser Schicht wurden mehrere Fundstücke geborgen, die als ungebrannten Lehmziegel interpretiert werden konnten. Die allgemeine Ausrichtung und Höhe dieser Ablagerung entsprechen denen des von Adamesteanu identifizierten Bauwerks. Ob die Mauer selbst während der diesjährigen Kampagne tatsächlich erreicht wurde, kann noch nicht bestätigt werden. Es ist jedoch durchaus wahrscheinlich, dass die laufende Analyse der Ausgrabungsergebnisse zusammen mit zukünftigen Feldforschungen im Rahmen des SIRIS-Projekts zur Klärung dieser Frage beitragen wird.
Darüber hinaus wurde während der diesjährigen Kampagne ein Keramikfragment gefunden, das auf das Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden kann. Dies ist der bislang früheste Fund auf der Akropolis von Siris, der mit der Mauer in Verbindung steht. Die Chronologie der Schicht, in der dieses Fragment entdeckt wurde, bleibt jedoch ungewiss, bis die Untersuchung des zugehörigen Materials abgeschlossen ist.