SIRIS-Project, Vorläufige Ergebnisse 2026


Areal Spring Sanctuary East (SSE)

Im Bereich des östlichen Quellheiligtums wurde in der Kampagne 2026 der Grabungsschnitt SSE04 angelegt. Dieser diente der signifikanten Erweiterung des Vorjahresschnitts SSE02 mit dem Ziel, die Befundsituation innerhalb der oberflächlich sichtbaren Überreste des östlichen Temenos präziser zu erfassen. Der Schwerpunkt der Untersuchungen lag dabei auf der 2025 freigelegten Vorgängermauer sowie den unmittelbar angrenzenden Votivdepots, welche in das 6. Jh. v. Chr. datiert werden.
Die besagte Vorgängermauer konnte auf der gesamten Schnittlänge von rund 7 Metern durchgehend dokumentiert werden. Im angrenzenden Befundkontext wurden mehrere Fundkonzentrationen aus Eisen- und Keramikobjekten freigelegt. Analog zu dem 2025 geborgenen „Humboldt-Depot“ stammten diese Funde aus einer wasserführenden Lehmschicht; ihre Restaurierung beziehungsweise Präsentation erfolgt derzeit in den Museen von Policoro und Sybaris.
Unter den Metallfunden ragt ein Depot heraus, das aus einer Vielzahl rund 1 Meter langer eiserner Obeloi besteht – spießartigen Metallstäben, die im archaischen Griechenland als prämonetäres Zahlungsmittel sowie als Kult- und Opfergerät dienten. Deren eingehende Auswertung verspricht weiterführende Erkenntnisse über die kultischen Praktiken des archaischen Heiligtums.
Darüber hinaus wurden zahlreiche gut erhaltene Keramikgefäße sowie Fragmente von Votivterrakotten geborgen. Durch die Freilegung des Übergangsbereichs zwischen dem genutzten Heiligtumsareal und dem sterilen Sandhang gelangen zudem neue Einblicke in die Topographie des Heiligtums.
Durch die Diesjährigen Erkenntnisse, kann vorläufig festgestellt werden, dass im sechsten Jh. v. Chr. ein weitläufiger Kultbereich im Osten des Quellheiligtums existiert hat. In den folgenden Kampagnen müssen diese Erkenntnisse durch weitere Grabungen Kontextualisiert werden um den Befund besser einordnen zu können.
Areal Collina West (CW)
Der zentrale Schwerpunkt der Untersuchungen im Bereich Collina West (CW2) lag auf der Erforschung der archaischen Befestigungsanlage der griechischen Siedlung Siris. Ziel der Untersuchungen war es insbesondere, den Verlauf und die bauliche Struktur der frühen Stadtmauer genauer zu erfassen und dadurch die Entwicklung der Siedlung während der archaischen Phase besser nachvollziehen zu können.
Im Zuge der Grabungen konnten Teile einer frühen Mauerstruktur aus ungebrannten Lehmziegeln freigelegt und dokumentiert werden. Die Befunde geben damit wichtige Einblicke in die Bauweise und Organisation der frühen Siedlung sowie in die Entwicklung ihrer Befestigungsanlagen.
Besonders bemerkenswert ist die Zusammensetzung der Lehmziegel, die aus unterschiedlichen Tonarten hergestellt wurden. Die erhaltenen ungebrannten Lehmziegel stellen ein bedeutendes Zeugnis antiker Bautechniken dar und ermöglichen es, neben der konstruktiven Gestaltung der Befestigung auch Fragen nach der Herstellung und Verwendung des Baumaterials zu untersuchen. Die genaue Dokumentation der Mauerstrukturen und ihrer jeweiligen Bauphasen trägt zudem dazu bei, den ursprünglichen Verlauf der Befestigungsanlage und ihre Einbindung in die Topographie der Siedlung zu rekonstruieren.
Die freigelegten Strukturen erweitern das bisherige Verständnis der archaischen Befestigungsanlage von Siris erheblich. Zusammen mit den bereits bekannten Befunden ermöglichen sie eine präzisere Rekonstruktion der räumlichen Ausdehnung und baulichen Entwicklung der Siedlung. Darüber hinaus liefern sie neue Anhaltspunkte für die Frage, welche Funktion der Befestigung innerhalb der Siedlungsorganisation zukam und welche strategische Bedeutung Siris im Kontext der griechischen Kolonisation Süditaliens besaß.
Weitere Untersuchungen sollen dazu beitragen, die einzelnen Bauphasen und den Verlauf der Befestigungsanlage genauer einzuordnen und ihre Entwicklung im Zusammenhang mit der archaischen Siedlungsgeschichte von Siris zu verstehen.
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TeilnehmerInnen und Gäste der Kampagne vom 15.03.2026 - 14.04.2026 :
Humboldt Universität zu Berlin: Bethe, Finn; Ebert, Acoll; Fleming, Marc; Gröne, Yuri; Höfer, Peter; Mariaschk, Dirk; Palamidis, Clara Anastasia; Reisch, Vanessa; Ruhemann, Elis; Rühl, Arthur; Schlumbohm, Malte; Skender, Klara; Tatulinski, Hannah; Tolksdorff, Ernst; Voigt, Jasper; Voit, Maximilian; Wolff, Daliah
Universität Trier: Dr. Graml, Constanze
Universität Innsbruck: Mag. Gertl, Veronika
Bayerische Akademie der Wissenschaften: Dr. Garaffa, Valentina
Österreichisches Archäologisches Institut : Dr. Stefanos Gimatzidis, Dr. Pamela Fragnoli
Pressespiegel:
Artikel im Fachmagazin Antike Welt vom 22.06.2026:
https://www.herder.de/wbg-magazine/aktuelles/2026/neue-erkenntnisse-zur-fruehgeschichte-sueditaliens-siris-project-entdeckt-archaische-befestigungen-und-aussergewoehnliche-votivfunde/
Pressemitteilung der Humboldt-Universität vom 13.03.2026:
https://www.hu-berlin.de/nachrichten/detail/von-der-grabung-ins-museum
https://www.hu-berlin.de/en/open-humboldt/latest-news/details/from-the-excavation-to-the-museum
Fernsehbeitrag von trmh24 vom 30.03.2026:
https://www.youtube.com/watch?v=z51hOpBlREs
Videobeitrag vom Regionaljournal La Siritide vom 08.04.2026:
https://www.youtube.com/watch?v=Pxbk8pSo4wI
Pressemitteilung der Regionaldirektion der Nationalmuseen der Basilikata vom 06.05.2026:
Pressemitteilung der Region Basilicata vom 15.04.2026:
https://agr.regione.basilicata.it/post/conclusa-la-campagna-di-scavi-a-policoro/
Veranstaltungsankündigung der Universität Neapel Federico II: